identity - das werk von soli kiani - silvie aigner

soli kiani, geboren 1981 in shiraz, iran, studierte in wien an der universität für angewandte kunst in der meisterklasse für malerei bei christian ludwig attersee. die malerei ist auch heute noch ein thema im werk der künstlerin, wenn auch nicht mehr das einzige in dem die künstlerin arbeitet. themenspezifisch nutzt sie die möglichkeiten von installation, objekt, fotografie und malerei, um ihre inhalte und motive künstlerisch umzusetzen. so steht auch die malerei im konzeptuellen kontext ihres gesamtwerkes, wenngleich sie auch die medienimmanenten parameter untersucht, und hinterfragt, was malerei alles sein kann. unter dem begriff „plastische malerei“ erweitert sie diese in den raum und stellt das material selbst in den fokus. sowohl die objekte wie auch die malerei zeigen stoffteile, die sich in faltenwürfen als abstrakte formen auf weißem oder schwarzem grund vom rand aus ins bildzentrum schieben. die beschäftigung mit textil hat einerseits eine formalästhetische basis, die soli kiani prägnant künstlerisch umsetzt und sich dabei der möglichkeiten des jeweiligen medium bedient, um daraus abstrakte spielarten zu entwickeln. doch das beschreibt ihre arbeiten nur zum teil. soli kiani ist im iran aufgewachsen und erlebte ihre kindheit und das heranwachsen als frau in einem isolierten, streng religiösen und patriarchalisch geprägten land mit geschlechtertrennung und dem verbot von dingen, die für uns selbstverständlich sind: tanzen, ausgehen, sich frei fühlen. neben den formalen qualitäten der motive „textil und stoff“, manifestiert sich in ihren werken jedoch auch spannung, die in der ambivalenten persönlichen biografie von kiani begründet ist: aufgewachsen im iran, lebt sie seit ihrem 19. lebensjahr in österreich. nicht zufällig haben viele ihrer arbeiten den titel „identity“. ihre auseinandersetzung mit den in ihrer kindheit und jugend erlebten patriarchale strukturen und den bereits in iranischen kinderbüchern präsenten verhaltensregeln thematisierte sie auch in einer reihe von installationen. so unter anderem auf der parallel vienna 2017 als auch in der arbeit „tabiies-segregation“ am klagenfurter lendhafen 2018, in rahmen eines von nora leitgeb kuratierten temporären kunstprojektes. im fārsī ist „tabiies“ das wort für trennung. durch separierte eingänge für männer und frauen, die mit schweren schwarzen vorhängen verschlossen waren, machte kiani die geschlechtertrennung unmittelbar erfahrbar. gleichzeitig, lud das projekt auch dazu ein, so kiani „nach wegen zu suchen, separierte räume zu öffnen und die trennung aufzulösen.“ der stoff war in der installation das trennende element. er ist ein zentrales motiv in der arbeit der künstlerin. „stoff“ so soli kiani „war nicht nur kleidung, sondern gleichzeitig schutzmantel wie gefängnis meiner identität.“ der tschador, das meist dunkle tuch in form eines umsäumten halbkreises, das vor allem muslimische frauen im iran als umhang um kopf und körper winden, wird zum werkzeug der vielfältigen, damit verbundenen themen, die kiani aufgreift und künstlerisch umsetzt. so formte sie im projektraum der galerie lisa kandlhofer aus schwarzem tuch eine hochragende abstrakte skulptur, die jedoch – auch wenn der körper nicht sichtbar ist –  auf den tschador bezug nimmt. tschador bedeutet im fārsī auch „zelt“ und symbolisiert damit für kiani die ambivalenten bedeutung zwischen schutz und einengung. der tschador spielt auch in den fotoarbeiten der künstlerin eine große rolle. der stoff umhüllt und enthüllt den nackten tanzenden körper einer bewusst anonym gehaltenen trägerin, aber auch eines männlichen körpers. gleich zwei tabus nach den iranischen regeln werden hier ad acta gelegt, der tanz und der unverhüllte körper. solcherart können auch die textilobjekte als hingeworfener tschador gelesen werden. um ihren eigenen bezug zur kleidung zu reflektieren, zeichnete kiani über den zeitraum eines jahres jeden zweiten tag teile ihrer kleidung, die sie anzog. auch hier dominiert die prägnante formensprache der künstlerin, die daraus keine dokumentation, sondern eine wunderbare abstrakte serie machte, dabei jedoch erneut über den formalen gehalt hinausgeht und eine zweite thematische ebene einzieht. auch ihr fotografisches selbstporträt thematisiert die einengung, in dem sie ihren körper mit ketten, geformt aus sicherheitsnadeln verschnürt. zugleich anonymisiert kiani das bild, in dem sie ihr gesicht nicht zeigt. die frau auf dem fotos ist somit zugleich die künstlerin selbst, wie auch der weibliche körper per se. die persönliche erfahrung wird zu reflexion über die gesellschaftliche rolle der frau per se – und das nicht nur im iran. und sie geschieht aus dem blickwinkel der gegenwart heraus, verbunden mit ihrer rolle als frau und künstlerin in einer westlichen welt. ihr werk ist einerseits in der persönlichen aufarbeitung ihrer eigenen biografie verwurzelt, doch geht es soli kiani um mehr – um die thematisierung allgemeiner sozialer, politischer und kultureller konventionen und um die festlegung von geschlechterrollen. so erkennt man gerade in ihren fotoarbeiten nicht sofort, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen körper handelt, der mit dem schwarzen stoff tanzend agiert. über die inhaltliche ebene hinaus, ist kianis werk jedoch stets auch eng mit den formalen prozessen und möglichkeiten verbunden. mit den fragen nach raum, form, bildgrund und dem was man künstlerisches handwerk nennt. in ihren leinwandbildern arbeitet sie mit ölkreide auf weißem oder schwarzem grund und entwickelte eine mischform aus malerei und zeichnung, die vor allem auch durch die präzision des duktus und durch den kontrast zwischen gemalten stoff und der monochromen mit acryl gemalten farbfläche besticht. soli kiani arbeitet ausschließlich mit schwarz, weiß und den vielfältigen grauwerten. weiß meint dabei auch die farbe des widerstands und bezieht sich auf den „white wednesday“, wo frauen zum protest ihre weißen kopftücher abnehmen und damit ein hohes risiko eingehen. für ihre objekte nützt sie dasselbe ausgangsmaterial wie in ihren bildern: leinenstoff, den sie acrylfarbe einfärbt und so die zuvor per zufall entstandenen faltenwürfe des ehemals weichen stoffes fixiert. sie werden sowohl auf einem sockel als auch an der wand präsentiert – zumeist im dialog mit der malerei. ihre fotografischen arbeiten erinnern an die diffusen tonwerte des piktorialismus. und so dokumentiert die malerische oberflächenstruktur ihrer fotoarbeiten einmal mehr die wechselseitigen inspirationen zwischen den einzelnen medien im werk von soli kiani.

 

identity - soli kiani's oeuvre - silvie aigner

soli kiani, born 1981 in shiraz, iran, studied in christian ludwig attersee's painting master class at the university of applied arts in vienna. painting remains a theme in the artist's work today, although it is no longer the sole medium in which she works. kiani draws on the possibilities afforded by installations, objects, photography and painting for artistic realization of the contents and motifs she addresses. painting therefore fits into the conceptual context informing her entire oeuvre, although she also examines the parameters inherent in the media and questions all the roles that painting can assume. inspired by the idea of "plastic painting", she expands these works into space and turns the spotlight on the material in its own right. the objects and paintings show pieces of fabric, shaped into folds, that push their way from the edge to the centre of the picture as abstract forms on a white or black ground. on the one hand, this engagement with textiles has a formal-aesthetic basis, which soli kiani articulates with a deft artistic touch, tapping into the possibilities offered by each medium to develop abstract variations. this however is only a partially description of her works. soli kiani grew up in iran and experienced childhood and adolescence as a woman in an isolated, strictly religious and patriarchal country with gender segregation, where much that we take for granted was prohibited: dancing, going out, feeling free. however, over and above the formal qualities of the motifs "textile and fabric", tension also manifests itself in her works, stemming from kiani's ambivalent personal biography: having grown up in iran, she has lived in austria since she was 19. it is no coincidence that identity is a recurrent title in her oeuvre. in a series of installations, kiana has also examined the patriarchal structures she experienced in childhood and adolescence and the rules of conduct prevalent in iranian children's books.  work in this vein was shown for example, at parallel vienna 2017 and in her piece tabiies-segregation, presented at klagenfurt’s lendhafen in 2018 as part of a temporary art project curated by nora leitgeb. in fārsī "tabiies" means separation. kiani rendered gender segregation immediately perceptible by creatingdistinct entrances for men and women, closed off with heavy black curtains. at the same time, the project also invited viewers, as kiani put it, "to seek ways to open up segregated spaces and dissolve the separation". the fabric was the dividing element in the installation. it is a central motif in the artist's work. "fabric," to cite soli kiani, "was not only clothing, but at the same time a protective mantle as well as a prison of my identity." the chador, the hemmed semi-circular scarf, generally in dark fabric, which particularly muslim women in iran wrap around their head and body like a cape, becomes the tool of the manifold interrelated themes that kiani takes up and articulates through the prism of art. in galerie lisa kandlhofer's project space, for example, she shaped a tall abstract sculpture out of black cloth, referencing the chador, although the body is not visible. in fārsī "chador" also means "tent", which for kiani symbolizes its ambivalent meaning, on the thresholdbetween protection and restriction. the chador also plays an important role in the artist's photographic works. the fabric wraps and reveals the naked dancing body of a deliberately anonymous female figure, but also of a male body. here, two iranian taboos are cast aside: dancing and the unconcealed body. in this context, the textile objects can also be read as cast-off chadors. in order to reflect upon her own relationship to clothing, kiani drew parts of her attire every other day for a year. here too the artist's concise formal language dominates, making this not a documentation, but a wonderful abstract series, yet once again moving beyond the formal content and incorporating a second thematic level. her photographic self-portrait also thematizes constriction, with her body held in by chains formed from safety pins. at the same time, kiani anonymizes the image by not showing her face. the woman in the photograph is thus both the artist herself and the female body per se. personal experience becomes a reflection on the social role of women—and not only in iran. furthermore, this occurs from the perspective of the present, connecting with her role as a woman and anartist in a western world. on the one hand, soli kiani's work is rooted in a personal working-through of her own biography, but she is also concerned with much more than that, addressing general societal, political and cultural conventions and how gender roles are determined. in her photographic works, for example, it is not immediately apparent whether the body dancing and interacting with the black fabric is male or female. over and above the substantive level, however, kiani's work is always closely linked to formal processes and possibilities, engaging with questions of space, form, pictorial ground and what could be dubbed artistic craftsmanship. in her paintings on canvas, she works with oil crayon on a white or black ground and has developed a hybrid form that blends painting and drawing, which captivates viewers above all with its precise rhythms and the contrast between painted fabric and monochrome colour surfaces worked in acrylic paint. soli kiani deploys exclusively black, white and a range of grey tones. white in this context also symbolises resistance, referring to "white wednesdays", when women take a huge risk by removing their white headscarves in protest. in creating her objects, kiani draws on the same source material as for her pictures: linen that she dyes with acrylic paint, setting in place folds initially created by chance in once soft fabric. the pieces are presented either on pedestals or on the walls, mostly in dialogue with painting. her photographic works are reminiscent of pictorialism's diffuse tonal values. as a result, the painterly surface structure of her photographic works once again documents the mutual interplay of inspirations between the various media in soli kiani's oeuvre.

 

kontraststärke - angela stief

das gesicht des weiblichen aktes, das auf der schwarzweiß fotografie dargestellt ist, kann der betrachter kaum erkennen. es ist von langen, dunklen haaren und einer kette aus sicherheitsnadeln, die wie ein schleier um das haupt und die schultern dieser frau gelegt ist, verdeckt. die iranische künstlerin soli kiani inszeniert ein spiel mit gegensätzen: in ihrem werk geht es um enthüllung und verhüllung, sinnlichkeit und gewalt, befreiung und zwang. es stellt eine poetische erkundung einer spröden wirklichkeit dar, die zunehmend von radikalen gesinnungen, rückschrittlichkeit und rechtspopulistischem gedankengut bedroht ist. die künstlerin, die 1981 in shiraz geboren wurde und im iran aufwuchs, bevor sie im frühling 2000 ihren lebensmittelpunkt nach österreich verlagerte und an der universität für angewandte kunst in wien studierte, hat sich in dieser fotografie – dem einzigen selbstporträt – selbst dargestellt. die unterschiedlichen facetten von kianis oeuvre, das sich mit fragen der identität zwischen tradition und moderne auseinandersetzt, entfalten sich im spannungsfeld von diametral entgegen gesetzten kulturen, dem islamischen staat und dem westliche liberalismus. in einem prekären grenzgang verhandelt sie die stellung der frau in der gesellschaft und damit auch, zumindest bis zu einem gewissen grad, die eigene biografie. in der arbeit tabiies (fārsī für trennung), die sie 2018 im öffentlichen raum in kärnten installierte, hinterfragt die künstlerin restriktive gendernarrative und unterschiedliche moralvorstellungen zwischen religion und säkularisierung und macht die persische doktrin ästhetisch erfahrbar. 1979 wurde im iran als ein resultat der gescheiterten revolution die geschlechtertrennung eingeführt: in bildungseinrichtungen, öffentlichen ämtern, verkehrsmitteln und bei unterschiedlichen veranstaltungen werden bis heute frauen von männern separiert. dies, so will man glauben machen, soll dem schutz der frau und der ordnung der familie dienen. gesetze von männern für frauen – männer, die bestimmen, frauen, die über sich bestimmen lassen. mit ästhetischen mitteln wehrt sich kiani gegen genderungerechtigkeiten und die verletzung von menschenrechten. in gesprächen verweist sie gerne auf den mutigen kampf der im exil in london lebenden, iranischen aktivistin und friedensnobelpreisträgerin shirin ebadi, deren kontinuierliches engagement nur langsam veränderungen erzielt. ähnlich wie die aus teheran stammende filmemacherin und fotografin shirin neshat, die 1979 ihre heimat verließ, um in kalifornien zu studieren und heute wieder nach unterbrechungen in den 1990er-jahren in new york lebt und arbeitet, reduziert auch kiani ihre farbpalette auf schwarz und weiss, setzt auf kontraststärke, um kontroverse gesellschaftspolitische fragestellungen zu diskutieren. „was ist freiheit und was bedeutet sie“, fragte hannah arendt unlängst in einem posthum veröffentlichten essay. „begreifen wir sie nur als die abwesenheit von furcht und von zwängen oder meint freiheit nicht vielmehr auch, sich an gesellschaftlichen prozessen zu beteiligen, eine eigene politische stimme zu haben, um von den anderen gehört, erkannt und schließlich erinnert zu werden?“ ohne anzuklagen meldet sich soli kiani zu wort. ihr medial breit angelegtes oeuvre reicht von malerei und skulptur über zeichnung und collage bis zu fotografie. auch in den sogenannten „plastischen malereien“ verhandelt sie symbolisch den raum, den sie zum leben und arbeiten bedarf: die in farbe getränkten textilien aus leinen türmen sich in getrocknetem zustand zu riesigen, ortsspezifischen werken in grauschattierungen auf. sie tragen reminiszenzen an die kultur, in der die künstlerin sozialisiert wurde, und erinnern an zelte wie tschadors übersetzt heißen. diese gebilde, die kiani im nassen zustand formt, hängt oder lehnt sie an die wand, befestigt sie an der decke oder präsentiert sie auf podesten. stets behält sie die definitionshoheit über den ort der präsentation, den fast barocken wurf der falten und die räumliche ausdehnung der plastiken. trotz des multimedialen ansatzes kommt das werk ohne jegliche form der theatralik aus. es setzt sich vor allem mit bildhauerischen fragen auseinander, beschäftigt sich mit dem körper und der verteilung von raum. im übertragenen sinn geht es in dieser sozialen plastik zwischen intimität und öffentlichkeit auch immer um die gesellschaftlichen freiräume, die wir, egal in welcher kultur wir leben, stets selbst erringen müssen: „haben wir […] freiheit einfach,“ fragte arendt zuletzt „oder wer gibt sie uns, und kann man sie uns wieder wegnehmen?“

 

 

high contrast - angela stief

it is almost impossible to see the face of the female nude depicted in the black and white photograph. it is covered by her long, dark hair and a chain of safety pins, positioned around the woman's head and shoulders like a veil. iranian artist soli kiani creates a mise-en-scène that plays with opposites: her work is about revelation and concealment, sensuality and violence, liberation and coercion. it is a poetic exploration of a brittle reality that is increasingly threatened by radical attitudes, a regressive spirit and right-wing populism. the artist—born in shiraz in 1981 and raised in iran, later moving to austria in spring 2000 and studying at the university of applied arts in vienna— portrayed herself in this photograph, which is her only self-portrait. the various facets of kiani's oeuvre, which tackles questions of identity on the cusp of tradition and modernity, unfold in the field of tension between diametrically opposed cultures, a state based on islam and western liberalism. precariously crossing borders, she negotiates women's position in society and in the process, at least to a certain degree, her own biography. in tabiies (fārsī for separation), a work installed in public space in carinthia in 2018, the artist questions restrictive gender narratives and various moral concepts along the borderlines of religion and secularization, rendering persian doctrine aesthetically perceptible. gender segregation was introduced in iran in 1979 in the wake of the failed revolution: women and men are still separated in educational institutions, government offices, public transport and at various events. this is intended to protect women and preserve the family-based order. laws by men for women: men who determine, women who allow themselves to be determined. kiani uses aesthetic means to resist gender injustice and human rights violations. in conversation, she likes to recall the courageous struggle of iranian activist and nobel peace prize laureate shirin ebadi, who lives in exile in london and is, albeit slowly, bringing about change thanks to her persistent commitment. kiani reduces her colour palette to black and white and relies on high contrast images to discuss controversial socio-political issues, in an approach akin to that of tehran-born filmmaker and photographer shirin neshat, who left her homeland in 1979 to study in california and now lives and works in new york again, after spending time elsewhere in the 1990s. "what is freedom and what does it mean?" hannah arendt asked in an essay recently published posthumously. "do we understand it only as the absence of fear and constraint, or does freedom not rather signify participating in social processes, having one's own political voice, in order to be heard, recognized, and, finally, remembered by others?" soli kiani makes her voice heard yet does not accuse. the broad spectrum of media within her oeuvre ranges from painting and sculpture to drawing, collage and photography. in what are dubbed the "plastic paintings", she symbolically negotiates the space she needs to live and work: linen textiles, soaked in paint and dried, are piled up to form huge, site-specific works in shades of grey. they contain reminiscences of the culture in which the artist was socialized, reminding us of tents, one of the terms that can be used to translate "chador". shaped by kiani when still wet, these structures hang or lean against the wall, are fastened to the ceiling or presented on pedestals. she always retains authority to define the presentation site, the almost baroque cast of the folds and the sculptures' spatial dimensions. for all its multimedia approach, the work functions without any form of theatricality. it engages primarily with sculptural issues, with the body and the distribution of space. in a figurative sense, this social sculpture, set between intimacy and the public sphere, always also addresses the  "breathing spaces" we must carve out for ourselves within society, irrespective of the culture around us: "do we [...] simply have freedom," arendt asked "or who gives it to us and can it be taken away from us again?"

das verborgene zeigen - lisa ortner-kreil

möchte man in soli kianis kunst, die malerei, fotografie, plastik, collage und zeichnung umfasst, ein inhaltliches überthema definieren, so ist es die zensur. die 1981 in shiraz im iran geborene künstlerin lebt seit 2000 in österreich und bringt hier, in sicherer entfernung zu ihrem herkunftsland, mittels ihrer kunst die soziale, politische und religiöse alltagsrealität von frauen im islamischen iran vor augen. egal ob es sich um feinnervige, stets in schwarz, weiß und verschiedensten grautönen gehaltene malereien handelt, die zumeist ein tuch und dessen faltenwurf untersuchen und damit auf den tschador bzw. die burka verweisen, um schwarz-weiß-fotografien, für die sie männliche und weibliche akte kombiniert mit schwarzem, schweren stoff oder ihre plastischen malereien – leinenstoffe, die sie mit acryl und leim tränkt und so mit einer stabilität ausstattet, dass diese wie von zauberhand zu raumgreifenden objekten werden: wer entscheidet, was „gezeigt“ und was „nicht gezeigt“ wird? inwieweit ist dieses tuch, dieser schleier, ein gefängnis, inwieweit ist es schutz? das verborgene sichtbar zu machen, hinter den vorhang blicken zu lassen – diese aufgabe stellt sich soli kiani. die zurückgenommene farbigkeit und die auf den ersten blick „harmlose“ beschäftigung mit der alten kunstgeschichtlichen tradition der draperie birgt auf den zweiten blick gerade wegen dieser subtilen herangehensweise große sprengkraft: „mein anliegen ist es, die situation von frauen im islam zur diskussion zu stellen“, so die künstlerin. souverän bewegt sich kiani, die bei christian ludwig attersee an der universität für angewandte kunst studiert hat, zwischen den medien und lässt bei ihren ausstellungen stets ein großes gespür für die präsenz ihrer arbeit im raum walten; die raumgreifenden plastischen arbeiten entstehen dabei immer in situ – also vor ort, kleinere plastische arbeiten fertigt soli kiani auch im atelier. ihre jüngste arbeit erziehung/tarbiat ist eine installation aus seilen und auszügen aus dem iranischen strafgesetzbuch. soli kiani entwickelt so ihre tuch-arbeiten zu konkreteren und auch kritischeren inhalten weiter – anstelle des stoffes tritt das seil und mit seinen sämtlichen assoziationen. soli kianis kunst ist politisch und konzeptuell – aber mit hohem formalen anspruch und autobiografischem hintergrund. „ich habe nichts zu sagen – nur zu zeigen“, schreibt walter benjamin in seinem passagenwerk. und dies gilt auch für soli kiani, deren künstlerische arbeit keine laute anklage, kein aktionistisches rühren einer trommel, sondern ein hochzentriertes und präzises abbilden von unterdrückung, minderwertigkeit, unmündigkeit, abhängigkeit, erziehung und strafe ist. so führt sie etwa in der fotografischen serie 2=1, die stets weibliche und männliche akte im verhältnis 2:1 zeigt, vor augen, dass im iran laut gesetzesbuch eine frau immer nur halb so viel wert ist, wie ein mann (bei aussagen vor gericht, beim erbe etc). in einer ihrer jüngeren arbeiten, einer collage, kombiniert sie porträts von iranischen frauen, die aufgrund ihrer politischen oder künstlerischen arbeit vom regime mit härtesten strafen belegt wurden, mit einem westlichen, ins persische übersetzte kunstgeschichts-buch, in dem sämtliche abbildungen von nacktheit (manets frühstück im grünen, michelangelos sterbendem sklavenetwa) mit zensur im bild versehen wurden; davor steht ein mit büchern beladener schreibtisch, der klar macht, welch langen weg die künstlerin selbst zurücklegen musste, um zu ihrer heutigen identität als eine im westen lebende künstlerisch tätige frau mit iranischen wurzeln zu finden. erst die räumliche und zeitliche distanz zu ihrer kindheit und jugend im iran ermöglicht es soli kiani in ihrer einprägsamen, doch schlichten formensprache auf verhältnisse aufmerksam zu machen, die der breiten bevölkerung in europa definitiv nicht bekannt sind. mit jedem strich, mit jedem leichten kräuseln des stoffes arbeitet soli kiani an ihrem großen künstlerischen aufklärungsprojekt und formuliert gleichzeitig ihre eigene unabhängigkeitserklärung. als ich die künstlerin im oktober 2019 in ihrem atelier besuche, zeigt sie mir die website der iranischen streaming-plattform melovaz, die es sich zur aufgabe gemacht hat, sämtliche album-cover, welche die konterfeis von weiblichen pop-künstlerinnen aufweisen, zu zensurieren, in dem sie diese schlichtweg tilgt: lady gaga, die einen rosa schlapphut trägt, ist verschwunden und nur mehr der hut ist übrig, lana del rey, die an der seite eines männlichen rockabillys in die kamera schmachtet, ist ebenfalls einfach aus dem bild herausretuschiert. diese künstlerinnen – westliche künstlerinnen wohlgemerkt – werden damit aus ihrem eigenen werk gelöscht, ihr abbild wird zensuriert, was soli kiani in ausdrucken auf dem schreibtisch, der zur oben genannten collage gehört, dokumentiert hat. spätestens jetzt regt sich „im westen“ empörung: kann es sein, dass allein das abbild eines weiblichen konterfeis schon als derartige provokation empfunden wird, dass regimetreue akteure derartige entscheidungen treffen? auch hier empört sich soli kiani nicht mittels ihrer kunst – sie zeigt schlichtweg die alltags-realität, die im säkularisierten westen nicht nur kaum fassbar sondern von der auch kaum notiz genommen wird. so unterschiedlich die ausführung und so differenziert die formale herangehensweise dabei auch sein mag: inhaltlich bleibt soli kiani stets bei ihrem großem thema „zensur“ und seziert die vielfältigen schichten und ausprägungen, welche diese nach sich zieht. soli kianis kunst verleiht damit all jenen, die unsichtbar und stumm gemacht werden, sichtbarkeit und stimme.

revealing the concealed - lisa ortner-kreil

if one overarching substantive theme can be identified in soli kiani's art, which encompasses painting, photography, sculpture, collage and drawing, it is censorship. the artist, born in 1981 in shiraz, iran, has lived in austria since 2000; here, at a safe distance from her native country, she uses her art to shed light on the social, political and religious everyday realities faced by women in islamic iran. the questions remain the same, whether one considers her refined paintings – always in black, white and various shades of grey, mostly exploring a cloth and its folds, and thus referencing the chador or burka – , her black and white photographs, in which male and female nudes are combined with black, heavy fabric, or her plastic paintings – linen fabrics, which, having being impregnated with acrylic and glue, turn so stable that they seem to become magical objects that appropriate the space: who decides what is "shown" and what is "not shown"? to what extent is this cloth, this veil, a prison – and to what extent is it protection? revealing the concealed, letting us look behind the curtain, that is the challenge soli kiani tackles with her art.when we take a closer look, it becomes apparent that the subtlety of the artist’s restrained colour palette and preoccupation with the old art historical tradition of drapery, which initially appears so “harmless”, harbour great explosive power. “i seek to open up a debate about the situation of women in islam”, the artist explains. kiani, who studied with christian ludwig attersee at the university of applied arts in vienna, moves confidently between various media, always displaying a strong sense of her work’s presence in space in her exhibitions. the expansive sculptural works are created in situ – i.e. on site, but soli kiani also produces smaller sculptural works in her studio. her recent work erziehung (upbringing)/tarbiat is an installation made of ropes and excerpts from the iranian penal code. soli kiani thus builds on her cloth works to express more concrete and more critical content – here deploying rope, with all its associations, rather than fabric.soli kiani's art is political and conceptual – with pronounced formal ambitions and a strong autobiographical background. "i have nothing to say. only to show," walter benjamin writes in his passagenwerk (arcades project). this also applies to soli kiani, whose artistic work is not a loud indictment or activist drumbeat, but a highly focused and precise depiction of oppression, inferiority, dependence, subordination, upbringing and punishment.in the photographic series 2=1, for example, which depicts female and male nudes in a 2:1 ratio throughout, she reveals how the legal code in iran stipulates that a woman is always only worth half as much as a man (in court statements, in inheritance matters, etc). one of her more recent works, a collage, combines portraits of iranian women severely punished by the regime for their political or artistic work with a western art history book translated into persian. all images of nudity (manet's the luncheon on the grass, michelangelo's dying slave, for example) have been censored. the collage comes with a desk piled high with books, highlighting the artist's long journey to arrive at her current identity as an active female artist with iranian roots who lives in the west. thanks to the spatial and temporal distance to her childhood and youth in iran, soli kiani, in her memorable yet simple formal language, draws attention to circumstances about which the general public in europe is definitely not aware. soli kiani works on her great artistic awareness-raising project with every brushstroke, with every slight ripple of the fabric, while at the same time formulating her own declaration of independence. when i visited the artist in her studio in october 2019, she showed me the website of iranian streaming platform melovaz, whose business model involves censoring all album covers that depict female pop artists by simply erasing them: lady gaga, wearing a pink floppy hat, has disappeared, leaving only her hat behind. lana del rey, looking longingly into the camera alongside a male rockabilly, is also simply air-brushed out of the picture. these artists – western women artists, mind you – are thus erased from their own work; their image is censored, as soli kiani has documented in printouts on the desk in the collage mentioned above. at this point, if not before, indignation bubbles up "in the west": is it possible that even a representation of a woman is perceived as such a provocation that regime loyalist take such decisions? here, too, soli kiani does not express outrage through her art – she simply shows the everyday reality, which is not only barely comprehensible in the secularized west, but is also hardly noticed there. however many different modes of execution and formal approaches figure in her work, soli kiani always remains true to her central topic of “censorship”, dissecting the various layers and forms that this entails. as a result, soli kiani’s art lends visibility and a voice to all those who are made invisible and rendered mute.